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Die Kerze und das Streicholz

nehmt euch etwas Zeit, holt euch etwas zu trinken und setzt euch bequem hin, dann erzähle ich euch eine Geschichte


In einem Dorf lebten zwei Freunde, die beide den Betrieb des Vaters übernommen hatten. Der eine übernahm den Kerzenzieherbetrieb des Vaters, der andere den des Schmiedes. Beide beherrschten ihr Handwerk besonders gut. Da sie beide künstlerisch begabt waren hatte man sie zu besonders geschickten Handwerkern in die Lehre gegeben. So lernte der eine zudem schlichten Handwerk des einfachen Kerzenzeihens auch noch wie man besonders prächtige Kerzen machte, während der andere zu dem Handwerk des einfachen Dorfschmiedes auch noch das Handwerk des Kunstschmiedes erlernte.

Nachdem sie ihre Lehre beendet hatten, machten sie sich wie es damals und Handwerksgesellen üblich war auf um in der Ferne ihre Handwerkskünste noch zu vervollständigen. So trennten sich die beiden zum ersten mal in ihrem Leben, jeder ging in eine andere Richtung, sie machten aber auch einen Treffpunkt aus wo sie sich nach der Walz wieder sehen würden um dann gemeinsam in die Heimat zurückzukehren.


In der Ferne verliebten sich beide in eine der Töchter ihres Handwerksmeisters bei dem sie einige Zeit verbracht hatten. So kam es wie es kommen musste, als sie zurückkehrten holten sie ihre Liebste nach um dann gemeinsam eine Doppelhochzeit zu feiern zu dem das ganze Dorf eingeladen war.

Als Hochzeitsgeschenk hatten sich die beiden etwas ganz besonderes für ihre Bräute ausgedacht, der Kerzenzieher macht zwei besonders schöne Kerzen für die Bräute und der Schmied schmiedete dazu passende Kerzenständer die er prächtig verzierte.

Diese einzigartigen Geschenke der Liebe fanden dann auch einen besonderen Ehrenplatz in der jeweiligen guten Stube der Paare, zeugten sie doch von der innigen Liebe die die Paare verband. Da sich auch die beiden Frauen glänzend verstanden feierten sie auch oft die anstehenden Familienfeste zusammen, bei denen immer Kerzen auf dem Tisch standen die der Kerzenmacher gemacht hatte und die in einem vom Schmied gemachten Kerzenhalter standen.

Es gingen die Jahre ins Land, die beiden Freunde machten ihren Meister und da sie fleissig und geschickt waren wurden sie auch im Laufe der Zeit wohlhabend. Im Laufe der Zeit bekamen die beiden Frauen auch Kinder, so dass das Glück der beiden Familien vollkommen schien. Die Kinder fragten oft ihre Mütter weshalb sie denn zwar immer bei festen Kerzen auf dem Tisch hätten, die prächtigen aber in den Stuben niemals angezündet wurden. Darauf erzählten die Mütter wie sie ihre Männer kennen gelernt hätten und dass diese ihnen beiden als Hochzeitgeschenk eben diese besonderen Kerzen und die dazu passenden Kerzenständer gemacht hätten. Diese Kerzen würden also die Liebe der Paare zeigen und deshalb würde man sie auch nicht anzünden.

Die Kerze der Gattin des Kerzenmachers war darüber ganz froh, sah sie doch wie die einfachen Kerzen die man so oft entzündete, niederbrannten nachdem man sie mit einem Streichholz entflammt hatte, und so ihr Leben liessen. Sie konnte nicht verstehen dass diese immer wieder sangen, wie froh sie seien, den Menschen dienen zu dürfen, ihnen Behaglichkeit und ein wenig Wärme in den Alltag bringen zu dürfen.

Die andere Kerze jedoch bedauerte immer dass man sie nicht entzündete, dass sie nicht wie die anderen Kerzen frohen Mutes ihren Schein verbreiten durfte, selbst um den Preis ihres Lebens. Sie hätte gern auch ihr Leben hingegeben um den Menschen Wärme und Licht, Freude und ein wenig Romantik in den Alltag zu bringen.

Doch wie es so oft, wenn man glaubt das Glück sei vollkommen und nichts könne es trüben kommt etwas was das Leben total verändert. Da Menschen auf Dauer nicht in Frieden leben können brach ein Krieg aus und die beiden Freunde wurden eingezogen. Da beide sehr den Frieden liebten, ihre Familien aber noch mehr, gingen sie nur widerwillig fort. Beim Abschied küssten und herzten sie noch einmal all ihre Lieben, versprachen auf sich aufzupassen und zogen dann bange über die Ungewisssheit wie das enden würde; in den Krieg.

Sie schrieben regelmässig wie es ihnen erging, machten den Lieben die zu Hause geblieben waren immer wieder Mut. Sie liessen sich nicht anmerken wie schlecht es ihnen wirklich ging und wie viel Sorgen sie sich um ihre Familien machten. Doch auch die Frauen schrieben nur wie gut es ihnen allen ginge, dass es ihnen an nichts fehlen würde.

Doch eines tags kam die Nachricht dass die beiden Freund vermisst wurden und keiner wisse wo sie seien und ob sie überhaupt noch lebten. Die Frau des Kerzenmachers fing an zu jammern, sie umklammerte die Kerze die ihr Liebster ihr am Hochzeitstag geschenkt hatte, sie kümmerte sich kaum noch um ihre Kinder, dafür aber wurde die Kerze immer wieder liebevoll abgestaubt und mit Blumen geschmückt. Die Kerze, die nicht verstand warum die Frau immer weinte; freute sich über die liebevolle Behandlung und sagte sich immer mehr wie besonders sie doch sei. Darüber wurde sie noch hochnäsiger als sie sowieso schon war und verstand immer weniger wie die anderen einfachen Kerzen, die nun noch öfter auf dem Tisch standen als früher, so freudig ihr Leben für die Menschen gaben.

Die Frau des Schmiedes jedoch entzündete jeden Abend die Kerze der Liebe um so einen Hoffnungsschimmer in die Familie zu bringen. Zudem hatte sie gehört dass es ein alter Brauch sein, eine Kerze ins Fenster zu stellen, damit die die ausgezogen seinen auch wieder nach Hause finden würden. Sie erzählte den Kindern wenn die Kerze niedergebrannt sie würde der Vater nach Hause kommen. Sie wollte die Hoffnung nicht aufgeben, dass ihr Mann heil nach Hause kommen würde und was wäre d besser um diese Hoffnung aufrechtzuerhalten als die Kerze ihrer Liebe zu entzünden.

Die Kerze, die schon immer gerne ihr Leben gegeben hätte um zu zeigen wie sehr sie sich der Familie verbunden fühlte; freute sich, dass sie nun jeden Abend entzündet wurde. Sie sagte, ich gebe gern mein Leben wenn ich ein wenig Licht und Hoffnung in das Leben derer bringen kann die sich immer so liebevoll um mich gekümmert haben.

Eines Tages, die Kerze war schon ganz heruntergebrannt und fast am verlöschen; da stand ein abgerissener Mann in einer zerschliessenen Uniform vor der Tür des Hauses, kaum als der lebensvolle Mann als der er in den Krieg einzogen wurde, wieder zu erkennen. Es war der Schmied der nach langem Krankenlager zu seinen Lieben zurückkehrte. Als seine Frau ihn dann nach langem Zögern erkannte, sie merkte es erst als er sie ansprach, so sehr hatte er sich verändert; nahm sie ihn freudestrahlend in die Arme.

Die Freude war gross und man feierte die Heimkehr des Schmiedes mit einem grossen Fest. Leider gab es aber einen Wermutstropfen in der Freude über die Heimkehr des sehnlich Vermissten. Von seinem Freund gab es keine Nachricht, niemand wusste wo er war und er galt nach wie vor als vermisst.

Die Frau des Kerzenmachers freute sich zwar für ihre Freundin über die Rückkehr ihres Mannes, aber sie trauerte doch sehr darüber, dass man keine Nachricht von ihrem Mann hatte. In einer der düsteren Stunden die sie immer wieder hatte sagte sie sich, was bei meiner Freundin geholfen hat kann doch auch bei mir nicht schaden. Vielleicht bringt die Kerze der Liebe mir ja auch meinen Mann zurück, so wie es bei meiner Freundin geschah.

So entzündete sie die Kerze, die sich sehr vor dem Streichholz fürchtete, wusste diese doch dass je öfter das passieren würde sie immer mehr herunterbrennen würde und sie auf Dauer ihr Leben lassen musste. So kam es auch, die Kerze brannte immer mehr ab, wurde immer keiner. Je kleiner die Kerze wurde um so mehr fürchtete sie sich vor den Zündhölzern. Sie jammerte, „lass das doch, ich werde bald nicht mehr da sein. Dann kann ich dir nicht mehr von der Liebe künden die dein Mann darauf verwendet hat mich zu machen“. Die Frau erwiderte darauf: „Was nützt mir das Zeichen seiner Liebe wenn mein Mann nicht zurück kehrt, aber vielleicht kommt er ja zurück wenn ich dich entzünde, bei meiner Freundin war es so.“

Je länger die Kerze brannte und je kleiner sie wurde umso öfter sah sie den Hoffnungsschimmer der im Gesicht der Frau erblühte. Sie sah auch wie sehr die Freundin ihrer Besitzerin sich freute dass ihr Mann zurückgekehrt war, und das nur weil sie sich entschlossen hatte die Kerze der Liebe zu entzünden. So fing sie an umzudenken, sie begriff wie viel sie der Frau immer noch bedeutete, ja dass sie ihr noch mehr bedeutete als früher wo man sie zwar liebevoll behandelt hatte, aber nicht so geachtet und beachtet wie jetzt wo sie langsam ihr Leben lassen musste. So begann sie sich darauf zu freuen wenn es Abend wurde und das Streichholz sie wieder entzündete, auch wenn es sie langsam das Leben kostete.

Eines Tages, die Kerze war wie die andere schon fast heruntergebrannt, stand wieder ein abgerissener scheinbar fremder Mann in Dorf. Diesmal stand der vor der Tür des Kerzenmachers und seiner Familie. Die Frau öffnete auf das Klopfen und stand fassungslos vor ihrem Mann der endlich heimgekehrt war.

Auch diesmal feierte das Dorf ein grosses Fest für den Heimkehrer, und die Frau erzählte die Geschichte der Kerzen der Liebe und wie diese dafür gesorgt hatten dass die Männer nach Hause fanden. Im Saal, wo man feierte standen an einem Ehrenplatz die beiden fast heruntergebrannten Kerzen auf ihren prächtigen Kerzenständern und freuten sich dass man sie obwohl sie ihr fast Leben gelassen hatten, oder gerade weil es sie es fast gelassen hatten; auf den Ehrenplatz gestellt hatte. Der Gemeindesaal glänzte nur so vor lauter Kerzen, die bereitwillig ihr Leben liessen um dieses Fest zu verschönen, doch keine brannte so schön wie die beiden Liebeskerzen gebrannt hatten und die dafür gesorgt hatten dass die Ehemänner ihren Weg nach Hause fanden und so zu ihren Lieben zurückkehren konnten.


Die beiden Frauen erzählten auf Bitten der Kinder die Geschichte der Kerzen, die einst so prächtig gewesen waren und nun ihr Leben für das Leben der beiden Freunde gegeben hatten. Da freute sich die hochnäsige Kerze, die nun so demütig geworden war, denn sie hatte endlich begriffen was für eine Freude es ist anderen Wärme und Licht, aber auch Hoffnung zu bringen und sie verstand nun endlich was die anderen Kerzen bewogen hatte freudig ihr Leben für andere geben zu dürfen.


c) Rose von der Au



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