Über das Sein und das Vergehen

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12. – 14.05. Abschied und Trauer

An diesem Wochenende erfuhren wir wie verschieden die Menschen mit Abschieden und Trauer umgehen.

Die einen rufen sie laut hinaus, schreien sie geradezu in die Welt hinaus, andere ziehen sich in sich selbst zurück du sind für andere nicht erreichbar.

Doch gleich wie man damit umgeht, sie ist da und will bewältigt werden damit man wieder fröhlich sein kann, die Farben wieder sieht und mutig weiter durchs Leben geht bis es wieder heisst Abschied zu nehmen auf die vielfältigste Art und Weise.

Abschied nehmen oder nehmen zu müssen bedeutet ja nicht immer dass es der Abschied in den Tod ist, dass der Mensch den man liebt sich von dieser Welt verabschiedet.

Dies kann auch bedeuten dass es ein Abschied von einem Tier ist, einem Freund den man ans Leben verliert, von einem Ort an dem man sich wohl fühlt, von einer Arbeit die man gern machte, von der Gesundheit,( der körperlichen und geistigen) liebgewordenen Gewohnheiten oder solchen die uns in Süchte führen, die Liste lässt sich beliebig fortsetzen und jeder wird seine ganz persönlichen Abschiede kennen und wie er damit umgeht.

All diese grossen und kleinen Abschiede erzeugen in uns nicht nur Trauer sondern oft genug auch Ängste, die uns zunehmend verunsichern können oder belasten. Sie können unser Leben grundlegend verändern so weit dass man sein Herz an niemanden mehr hängen will weil man Angst hat man könnte ihn verlieren.

Zudem wer will denn immer wieder die gleiche Leier hören die ein der Trauer verfallener Mensch immer wieder von sich gibt, ausserdem haben viele Angst davor die richtigen Worte zu finden, denn obwohl Verluste Teil unseres alltäglichen Lebens sind haben wir oft genug nicht gelernt damit umzugehen.

Da heisst es immer wieder ein wahrer Mann zeigt keine Gefühle, du hast stark zu sein, falle niemanden zur Last, sieh zu wie du selber klar kommst. Da Gefühle zeigen leider einem immer noch als Schwäche ausgelegt wird in de heutigen Zeit mehr denn je, zeigt man eben auch dem anderen nur sein „Sonntagsgesicht“ verschliesst die Trauer in sich, traut sich nicht über die Ängste die einen bewegen zu sprechen denn dann macht man sich ja angreifbar – und wer will das schon sein?

So zieht man sich zurück, oft so sehr dass man gar nicht mehr vor die Türe geht, für andere nicht mehr empfänglich ist und vereinsamt auf diese Art und Weise. Aber auch andere grenzen die Trauernden aus weil sie nicht wissen wie sie mit ihnen umgehen sollen, weil ihnen die Worte fehlen wo es doch oft genügen würde dem anderen einfach zu zeigen, ich bin da wenn du mich brauchst.

Da sind Verluste ja auch immer noch ein Tabuthema über das man nicht spricht, gerade der Tod ist ein solches Thema.

Spricht man es aus wenn jemand schwer krank ist und dem Tode zustrebt, so wie ich es meiner Mutter gegenüber tat als mein Vater an Lungekrebs erkrankte, hört man oft, du siehst das falsch, er/sie ist nur schwer krank- aber doch nicht sterbenskrank.

Ich fragte mich damals warum sie so den Kopf in den Sand steckte, es nicht wahrhaben wollte. Heute weiss ich sie hatte Angst was wird wenn mein Vater einmal nicht mehr ist, Angst die ihr keiner nehmen konnte obwohl sie unbegründet war, denn keiner von uns wusste ja was auf ihn zukommt.

Wäre sie allein gewesen, wären da nicht wir gewesen die sie seelisch und tatkräftig unterstützen, hätte sie finanzielle Probleme gehabt oder hätte es keine Freunde gegeben die zu ihr standen hätte ich es verstehen können. So aber fühlte ich mich allein gelassen, musste die Starke sein, für meine Tochter die damals gerade 8 war, für meine Oma, die einmal verlauten hatte lassen dass sie nicht mehr leben wolle wenn ihr jüngster Sohn auch noch vor ihr sterben würde.

So fühlte ich mich hilflos und allein gelassen mit dem was ich wusste und was ich zu verkraften hatte. Es gab keinen den ich um Hilfe bitten hätte können, dachte ich zumindest bis ich begriff die grösste Kraft und den meisten Mut, aber auch Zuspruch bekam ich gerade von dem von dem ich es am wenigsten erwartet hätte, nämlich von meinem Vater.

Wie schon meine Oma zuvor, die mir sagte wo ich ihre Papiere im Falle ihres Todes finden würde, die mir auch auch erklärte wie sie beerdigt werden wollte und mir so das Rüstzeugs mitgab für den Fall aller Fälle, so sprachen auch mein Vater und ich über dieses Thema, dass es dann anders kam als er es wollte, verdanken wir dem Bestatter der meine Mutter belatscherte, und sie liess sich darauf ein weil es halt „so üblich „war.

All dies hat mir gezeigt wie wichtig es ist schon im Vorfeld nicht nur Vorkehrungen zu treffen, wie Patientenverfügung, Testament und darüber sprechen wie man sich (s)eine Beerdigungszeremonie vorstellt, wie man beerdigt werden möchte sondern auch wo.

Dies gibt den Hinterbliebenen ein Rüstzeug mit, ein Gerüst auf das sie bauen du sich stützen können, das nicht in ein noch tieferes Loch fallen lässt als sie sowieso schon fallen.

So kann es mit ein Teil der Aufgabe sein die ein Sterbebegleiter hat (Ver)Mittler zwischen dem Sterbenden du den die ihn auf diesem Weg begleiten, zu sein, das oft herrschende Schweigen zu durchbrechen, Wichtiges zu überbringen, Helfer zu sein beim Erleichtern des Abschiedes, denn oft genug herrscht eine Mauer des Schweigens zwischen dem Sterbenden und den Angehörigen weil keiner den anderen belasten will, oder Angst hat die richtigen Worte nicht zu finden.

Schon allein das Wissen dass der andere nicht allein und vielleicht hilflos zurückbleibt, dass man noch das sagen konnte was einem wichtig war ist für viele eine grosse Erleichterung, meist für beide Seiten und hilft das Unvermeidliche leichter zu ertragen und nicht auf
Dauer in Trauer zu versinken.

Die meisten finden dann im Laufe der Zeit wenn sie es sich gestatten zu trauern, aber auch mal zu lachen und ihr Leben zu leben wieder aus diesem oft sehr tiefen dunklen Loch zurück ans Licht.

Wer zudem begreifen hat dass Liebe nicht durch den Tod des anderen endet sondern erst wenn man den anderen vergisst, aber auch vergisst zu leben, wird wieder das Schöne im Leben sehen und begreife welch grosses Geschenk es ist.

In diese Sinne- trauert um das was ihr verloren habt, aber freut euch auch über das was ihr gewonnen habt und noch gewinnt.
7.6.06 12:02





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